Weser Kurier vom 19.11.2004

 (19.11.2004)
Immer schön locker bleiben
Die 14-jährige Speerwerferin Sarah Nöh lässt sich trotz früher Erfolge nicht drängen
Von unserem Mitarbeiter Stefan Freye

Wenn Sarah Nöh über den größten Erfolg der gerade abgelaufenen Saison spricht, ist sie noch immer ganz schön aufgeregt: "Eigentlich wollte ich nur möglichst viele Punkte für die Mannschaft holen - und dann so ein Wurf." Es war beim Finale der deutschen Schülermannschaftsmeisterschaften in Hannover, als die 14-Jährige den Speer auf satte 44,44 Meter schleuderte. Eine Weite, die ihr den zweiten Platz in der deutschen Bestenliste ihrer Altersklasse W15 einbringen dürfte.

Das ist stark, nationale Spitze eben. Und es fordert nicht wenige Menschen geradezu heraus nach der großen Frage an die kleine Werferin: "Und später fährst du bestimmt mal zu Olympia?" Wenn sie so was hört, rollt Sarah mit den Augen. Die unbefangene, fröhliche Schülerin wird dann für einen kurzen Moment ernst: "Alle reden schon von Olympia, ich sagt dann immer: Bleibt mal locker, nachher schaff ich das gar nicht." Sarah Nöh ist ein aufgeweckter Teenager, sie weiß etwas anzufangen mit realistischen Zielen. "Erst einmal", sagt sie deshalb, "möchte ich im nächsten Jahr an den deutschen Jugendmeisterschaften teilnehmen." Die Chancen stehen nicht schlecht. "Sie hat eben Talent, gerade für den Wurfbereich", findet ihr Trainer Eckhard Schweiger von der BTS Neustadt.

Über den Vereinskollegen Hubert Kerdellant bekam er vor rund anderthalb Jahren einen Tipp: In dessen Syker Schulklasse warf ein Mädchen den Schlagball rund 60 Meter weit. Eine ziemlich starke Leistung, aufgestellt - wir ahnen es - von der damals erst 13-jährigen Sarah Nöh. Das Talent schloss sich der BTS Neustadt an und konnte doch nicht regelmäßig trainieren, weil die ständigen Knieschmerzen störten. Erst als bei einer Operation etwas Knorpel entfernt wurde, ging es bergauf. Allerdings zwang die OP zu einer langwierigen Rehabilitation, so richtig intensiv trainiert Sarah den Speerwurf erst seit Ende des letzten Jahres.

Dass sie sich innerhalb von so kurzer Zeit auf eine Weite jenseits der 40 Meter verbesserte, ist die eigentliche Überraschung. Sie lässt vermuten, dass Sarah Nöh sich noch ein gutes Stück steigern kann. "Ich kriege etappenweise das Gefühl für den Speer", sagt sie, "perfekt bin ich noch nicht." Dafür aber schon recht erfolgreich: Bei den norddeutschen Meisterschaften auf Platz 11 gewann Sarah die Vizemeisterschaft im Speerwurf und im Kugelstoßen, zudem holte sie die Bremer Meisterschaften in diesen Disziplinen und verbesserte mehrfach die Landesrekorde.

In Halle nimmt die Realschülerin aus Heiligenfelde an einem D/C-Lehrgang des DLV teil. "Ich hoffe, dass es so weiter geht", meint ihr Trainer. Dabei weiß Eckhard Schweiger nur zu gut, dass er "vorsichtig sein muss mit Prognosen." Überschwängliche Erwartungen würden die Entwicklung seines talentierten Schützlings gewiss nicht positiv beeinflussen, sondern nur unnötigen Druck erzeugen. Genau das kann Sarah nicht gebrauchen: "Ich setze mich nicht unter Druck, dann klappt es sowieso nicht." Immer schön locker bleiben - das gilt für ihre Entwicklung, und für Olympia sowieso.
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