Weser-Kurier vom 29.12.04

 (29.12.2004)
Ein Top-Talent siedelt um
Hürdenläuferin Nytra wechselt von der Elbe an die Weser

Von unserem Mitarbeiter
Stefan Freye

Bremen. Mit überregional erfolgreichen Leichtathleten im Erwachsenenbereich ist Bremen nicht gerade gesegnet. Lars Figura war der letzte, der 2000 einen deutschen Meistertitel an die Weser holte. Dem 400-Meter-Läufer soll nun eine junge Dame folgen: Deutsche Meisterin der A-Jugend ist Carolin Nytra ja bereits.

Die Schnellste über die 100 Meter Hürden kommt von LG HNF Hamburg zum BLT-Komet. Ein Grund für den Wechsel zum 1. Januar 2005: Jens Ellrott: Der Bremer Landestrainer amtiert auch als Hürden-Bundestrainer. In dieser Funktion lernte er Carolin Nytra vor drei Jahren kennen, seit zwei Jahren liegen Trainingsplanung und Wettkampfbetreuung in seinen Händen.

Eine Konstellation, die in Hamburg nicht auf ungeteilte Freude stieß. Denn bei HNF Hamburg hegte man den Verdacht, dass der Bundestrainer seine Stellung zum Abwerben des Talents ausnutzt. Deshalb gab es immer wieder Ärger zwischen Nytra und ihrem Heimatverein. "Sie haben sich unfair verhalten und mir damit in die Hände gespielt", sagt Ellrott. Seine neue Athletin schildert ihre Sicht der Dinge: "Jens sieht immer noch Fehler, mein Hamburger Trainer konnte mir nichts mehr beibringen."

Auch die äußeren Bedingungen scheinen beim Bremer Leichtathletik Team besser: Während die größte Leichtathletikhalle in Hamburg gerade 40 Meter lang ist, können die Bremer unter der Südtribüne des Weserstadions immerhin eine rund 70 Meter lange Bahn nutzen. Weshalb die 19-Jährige bereits seit Monaten zwischen Hamburg und Bremen pendelt. Drei Mal in der Woche. Mit dem Auto, nachdem sie ihren Arbeitstag als Bankkauffrau-Azubi beendet hat.

Stress, der sich lohnt: Nach dem deutschen Titel wurde Carolin Nytra mit einer persönlichen Bestzeit von 13,54 Sekunden Sechste bei den Junioren-WM in Grosseto (Italien). In der kommenden Saison will sich Nytra auf etwa 13,35 Sekunden verbessern und sich für die DM sowie die U-23-EM in Erfurt qualifizieren. Später sollen irgendwann die 12,90 Sekunden fallen - die Olympia-Norm, die das Fernziel Peking 2008 ermöglichen soll. Auch wenn dieses Highlight eigentlich etwas zu früh kommt, denn ihr Leistungsoptimum erreichen Hürdensprinterinnen erfahrungsgemäß erst mit 27, 28 Jahren.

Bis dahin hat das DLV-B-Kadermitglied viel Zeit, um mit der neuen Staffel des BLT für Furore zu sorgen. "Das ist ohnehin der eigentliche Hintergrund des Wechsels", sagt Ellrott. Die Athletin stimmt zu: "Die Idee ergab sich bereits im letzten Winter. Mit einer starken Trainingsgruppe kann ich mich weiterentwickeln."

Zur neuen Staffel zählt neben Catharina Reppin und Iana Bakoumenko nun auch Jana Loock. Ihr Wechsel zum BLT ist jedoch auch mit Ärger verbunden gewesen - Loock kommt vom Konkurrenten SV Werder.
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